Die Flugsaison ist in vollem Gange – höchste Zeit, ein besonders sicherheitsrelevantes Thema ins Rampenlicht zu rücken: das sichere Aufrüsten von Segelflugzeugen.
Noch immer gehen in Europa jährlich mehrere Unfälle auf Montagefehler zurück – vermeidbare Ereignisse mit oft schwerwiegenden Folgen. Die Ursachen sind dabei selten technischer Natur, sondern fast immer auf menschliche Faktoren und unzureichende Kontrollen zurückzuführen.
Wo passieren die Fehler? Erkenntnisse aus der Praxis
Unfallanalysen und aktuelle Veröffentlichungen der EASA zeigen ein klares Bild:
Die häufigsten Probleme entstehen beim Aufrüsten selbst – und durch unzureichende Überprüfung.
Typische Fehler sind:
- Steuerverbindungen nicht oder falsch angeschlossen
- Bauteile nicht korrekt gesichert
- Unbemerkte Teilverbindungen (z. B. bei Schnellkupplungen)
- Ablenkung oder Unterbrechung während des Aufrüstens
Besonders kritisch:
Verbindungen können äußerlich korrekt erscheinen, obwohl sie nicht vollständig eingerastet oder gesichert sind.
EASA Safety Information Bulletin mit Hintergrund und Fallbeispielen:
https://ad.easa.europa.eu/ad/2019-07R1
Die wichtigste Erkenntnis: Kontrolle entscheidet
Eine scheinbar korrekte Montage ist keine Garantie für Flugsicherheit.
So rüstet ihr sicher auf
- Ein sicheres Aufrüsten erfordert vor allem eines: konzentriertes, strukturiertes Arbeiten mit klarer Verantwortung.
- Die Montage sollte ohne Unterbrechungen durchgeführt werden – Ablenkungen erhöhen nachweislich das Risiko, entscheidende Schritte zu übersehen. Innerhalb des Teams ist eine Person festzulegen, die den Überblick behält und am Ende die Verantwortung für die Freigabe des Flugzeugs übernimmt.
- Alle Arbeitsschritte sollten nach festgelegten Abläufen oder Checklisten erfolgen, insbesondere bei weniger vertrauten Mustern oder im Vereinsbetrieb. Dabei gilt: Verbindungen nicht nur montieren, sondern bewusst prüfen und mechanisch sichern.
- Der entscheidende Schritt vor dem Start ist die positive Kontrollprüfung der Steuerung: Während im Cockpit gesteuert wird, werden die Steuerflächen von außen gegengehalten und auf korrekte Funktion überprüft.
Erst wenn diese Kontrolle eindeutig positiv ist, gilt das Flugzeug als startklar.
Regelmäßige Schulung, Wiederholung und der offene Austausch im Verein tragen zusätzlich dazu bei, Fehler zu vermeiden und die Sicherheit nachhaltig zu erhöhen.
Typische Gefahrenquellen – immer wieder gleich
- Teilverbindungen bei Steueranschlüssen
- Nicht gesicherte Leitwerke nach Unterbrechungen
- Fehlinterpretation „automatischer“ Anschlüsse
Entscheidend ist immer:
Sichtprüfung + positive Kontrolle
Zum Schluss: Der letzte Check zählt
- Endkontrolle durch zweite oder „frische“ Person
- Checkliste bewusst abschließen
- Optional: Dokumentation im Bordbuch oder Vereinssystem
Weiterführende Sicherheitstipps & Unterlagen
Video – Montagefehler & Lessons Learned:
https://www.youtube.com/watch?v=SeIPqCm0EUY
EASA Safety Information Bulletin (SIB 2019-07R1):
https://ad.easa.europa.eu/ad/2019-07R1
EASA „Sunny Swift“ – Konzentriertes Aufrüsten:
https://www.easa.europa.eu/sites/default/files/dfu/easa-sunny-swift-flight-instructor-issue31-en_0.pdf
BFU Bericht – Steuerungsanschlüsse:
https://www.bfu-web.de/DE/Publikationen/Flugsicherheitsinformationen/Berichte/V181-Steuerungsanschluesse.pdf?__blob=publicationFile
ÖAeC-Newsletter: AUFRÜSTEN 2022 (PDF) – praktische Tipps & Fehlervermeidung:
https://aeroclub.at/uploads/download/AUFRUSTEN_15_03_2022.pdf
BGA - Is your glider fit for flight:
https://members.gliding.co.uk/wp-content/uploads/sites/3/2015/08/Is-your-glider-fit-for-flight-2023.pdf
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Flugsicherheit beginnt am Boden – und ist Teamarbeit.
Bleibt fokussiert, achtet auf Details – und hebt mit einem guten Gefühl ab!
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generalaviation@austrocontrol.at