Jede Ballonfahrt endet irgendwann mit der Landung, genau diese Phase gehört zu den heikelsten, gerade unmittelbar über dem Boden. Eine besondere Gefahr stellen Stromleitungen dar: Oft unerkannt, aber gefährlich. Worauf man bei der Landung besonders achten sollte, haben wir für Sie zusammengefasst.
Stromleitungen sind während der Landung oft kaum sichtbar, nicht intuitiv erkennbar und verlaufen meist dort, wo gelandet werden soll: entlang oder quer von Feldern und Wiesen, hinter Waldstücken, über Senken oder zwischen Gehöften.
Blendung & Lichtverhältnisse – der natürliche Tarnmantel
Tiefe Sonne am Horizont, ein perfekter Landeplatz – doch:
- Gegenlicht „verschluckt“ feine Strukturen wie Stromdrähte
- Streiflicht lässt Masten und Seile optisch verschwinden
- Abenddämmerung führt zu trügerischem Kontrast – der Boden wirkt frei
- Das Auge sucht die Wiese – aber nicht die Leitung
Nebel, Dunst & optische Täuschung
Wenig Sicht = wenig Chance.
Kritisch sind besonders:
- Leitungen vor Waldrand – visuell vollständig maskiert
- Morgendunst in Senken - Leitung liegt optisch „im Nichts“
- Gebäudeschatten oder Bäume – Seile verschwinden im Hintergrund
Tieffahrt: Technisch machbar – aber riskant
Bodennahe Fahrten – zur Landung – bringen uns auf genau jene Höhe, in der auch Stromleitungen verlaufen.
Besonders gefährlich:
- Nach Überqueren eines Waldstücks → Leitung direkt dahinter
- Wiese am Rand eines Hangs oder Senke → Leitung verläuft unterhalb der sichtbaren Geländelinie
- Einzelgehöfte mit Nebengebäuden → Leitung dazwischen kaum sichtbar
Wahrnehmungsfalle: Was unser Gehirn ausblendet
Beim Landen passiert im Kopf oft Folgendes: Die Konzentration liegt auf
Sinkgeschwindigkeit, Gelände, Landewiese, Wind
- Stromleitungen sind nicht im automatischen Sicherheitsfokus
- Unsere Augen registrieren, was sie erwarten – keine Leitung = kein Alarm
- Auch bei bekannter Umgebung werden neue oder bestehende Leitungen leicht übersehen
Fünf besonders kritische Situationen:
- Landen gegen die Sonne – Leitungsdrähte im Blendlicht unsichtbar
- Abenddämmerung – optisch „freie“ Landewiese, Leitung nicht erkennbar
- Tieffahrt über Geländeabsätze – Leitung verläuft in nicht sichtbarer Zone
- Leitung verläuft hinter Busch- oder Waldkante – Tarnung durch Vegetation
- Vertrautes Gebiet – “da war nie eine Leitung…” → neue Trasse übersehen
Konsequenz für jede Landeanfahrt
Keine Leitung gesehen? Dann ist die Suche noch nicht abgeschlossen.
Nur wer aktiv prüft, landet sicher.
Fazit
Die gefährlichsten Sekunden einer Ballonfahrt spielen sich dort ab, wo dein Auge etwas nicht erkennt, weil dein Kopf es nicht erwartet.
Wachsamkeit rettet. Umsicht schützt. Bewusste Fahrt entscheidet.
Für Fragen oder weitere Infos:
generalaviation@austrocontrol.at