Wer den Wind versteht, reduziert Risiken und ist damit sicherer unterwegs. Worauf es dabei besonders zu achten gilt, haben wir für Sie zusammengefasst.
1. Scheinauftrieb (False Lift) – Der trügerische Start
Beim Start im Wind entsteht durch die Umströmung der Hülle kurzfristig zusätzlicher Auftrieb – Scheinauftrieb (False Lift). Dieser Effekt ist aerodynamisch bedingt und nicht thermisch erzeugt.
Besonders kritisch ist das Aufrüsten im Windschatten (z. B. hinter Bäumen oder Gebäuden). Verlässt der Ballon den Windschatten, entfällt dieser Effekt schlagartig – der Ballon sinkt.
Worauf achten?
- Bei Wind grundsätzlich mit Scheinauftrieb rechnen
- Während der Beschleunigungsphase konsequent weiterheizen
- Erst bei stabiler Steigrate Leistung reduzieren
- Hindernisse im Lee mit zusätzlicher Reserve planen
- Start nur mit realer Steigkraft aus deutlich gespannter Startfessel
- Kritisch ist die Phase direkt nach dem Abheben.
2. Windscherung – Unsichtbare Leistungsfalle
Windscherung ist eine abrupte Änderung von Windrichtung oder -geschwindigkeit. Sie tritt nicht nur bei Böen oder Geländeübergängen auf, sondern auch bei Inversionswetterlagen:
Ruhige Bodenschicht – darüber deutliche Windzunahme.
Inversionen treten ganzjährig auf, sind jedoch im Herbst und Winter häufiger und oft stabiler ausgeprägt. Auch bei scheinbar windstiller Oberfläche kann darüber deutlich mehr Wind stehen.
Mögliche Folgen beim Durchsteigen:
- Hüllenverformung
- Erhöhter Wärmeverlust
- Spürbarer Auftriebsverlust
Das kann sich anfühlen, als würde das Gewicht plötzlich zunehmen.
Besonders kritisch:
- Landeanfahrt über Baumkronen
- Start in ruhiger Morgenluft
- Geländeübergänge
Praxis-Tipps:
- Auch bei ruhigem Bodenwind an Windscherung denken
- Über Hindernissen und Inversionsgrenzen mit Leistungsreserve fahren
- In Bodennähe Brenner jederzeit abschaltbereit halten
- Landeentscheidungen frühzeitig treffen
Die meisten Zwischenfälle passieren in Bodennähe.
3. Rotoren – Abwärtsströmung im Lee von Gelände und Gebirge
Bei starkem Höhenwind können im Lee von Geländeerhebungen und insbesondere im Gebirge (z. B. bei Alpenfahrten) rotierende Luftströmungen entstehen.
Gefahr:
Abwärtsbewegungen können stärker sein als die Steigleistung des Ballons – selbst bei hoher Hüllentemperatur.
Rotoren können turbulent sein – müssen es aber nicht.
Sicherheitsgedanken:
- Höhenwindprognosen ernst nehmen
- Gebirgskämme nur mit deutlicher Höhenreserve überfahren
- Bei Alpenfahrten großzügige Sicherheitsmargen einplanen
- Bei starkem Höhenwind konservativ entscheiden
- Im Zweifel: Fahrt verschieben
- Ein Rotor ist dem Ballon aerodynamisch überlegen.
Kernaussage:
Wind ist einer der entscheidenden Risikofaktoren bei der Ballonfahrt – in Bodennähe, an Geländekanten und im Gebirge kann er innerhalb kürzester Zeit sicherheitsrelevant werden.
Start, Landeanfahrt und Geländeüberquerung erfordern erhöhte Aufmerksamkeit und ausreichende Leistungsreserven.
Sicher fahren heißt:
Windbedingungen realistisch einschätzen, Reserven einplanen und konservativ entscheiden.
Glück ab – und jederzeit eine sichere Landung.
Für Fragen oder weitere Infos:
generalaviation@austrocontrol.at